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2011 –

 

Kunstmagazin "art": Ein verschleppter Leserbrief

Im Heft 10/2011 berichtete das Kunstmagazin "art" über die Initiative "Agenten im Einsatz für die Kultur". Ich schrieb dazu einen kritischen Leserbrief, schickte ihn am 27.09.2011 an den Chefredakteur der Zeitschrift, Herrn Tim Sommer und bat um Veröffentlichung in der nächsten Ausgabe.

Leserbrief für die art

Große Kultur auf winziger Leinwand

Zu: „Agenten im Einsatz für die Kultur“ in art 10/2011, S. 140

Mit einem Etat von 30 Millionen Euro sollen 46 Agenten innerhalb von 4 Jahren in 5 Bundesländern die Kulturarbeit (Kunstunterricht) an den Gymnasien verbessern. Die Frage, was diese Agenten eigentlich besser können als die fachlich qualifizierten Kunstlehrer, konnte Hortensia Völckers von der Kulturstiftung des Bundes eigentlich nicht beantworten: „Idealerweise ist der Agent aktiver mit künstlerischer Praxis beschäftigt.“ Und wie diese Praxis aussieht, verrät ein Foto, das einem die Haare zu Berge stehen lässt. Der Agent sagt zu den Schülerinnen und Schülern: „Heute dürft ihr malen wie die richtigen Künstler. Dazu habe ich jedem einen Keilrahmen mit einer vorbereiteten Leinwand mitgebracht. Ihr braucht auch nur 2 Farben.“ Es folgt ein kurzes Bilddiktat, nach dem ein paar Konturen gezogen werden. Dann malen die Kinder die Binnenflächen aus. Fertig ist das Kunstwerk, und der Agent spart natürlich nicht mit Lob. Bei einer derart geradezu lachhaften Unterforderung spricht Frau Völkers dann hochtrabend vom „Ausprobieren der eigenen Kreativität“. Man muss sich fragen, weshalb die Kultusminister der Länder bei einem derartigen Schwachsinn überhaupt mitspielen, zumal sie das Programm nicht geschenkt bekommen, sondern immerhin mit einem Drittel selbst an der Finanzierung beteiligt sind. Wenn man den Kunstunterricht verbessern und ihn in ein größeres Kulturkonzept einbinden möchte, dann sollte man in die Lehrerfortbildung investieren. Die Kunstlehrer werden Angebote mit Freude annehmen, wenn sie einmal eine Woche lang jenseits von Lehrplan und Alltagsstress kreativ sein dürfen. Ansprechpartner wären die Lehrerfortbildungsinstitute der Länder sowie der bundesweit aktive „BDK Fachverband für Kunstpädagogik“ (www.bdk-online.info). Prof. Dr. Helmut G. Schütz, Karlsruhe

Da der Leserbrief in der Ausgabe 11/2011 nicht abgedruckt war, schrieb ich am 28.10.2011 an Herrn Sommer:

Sehr geehrter Herr Sommer,

am 27.09. schickte ich Ihnen mit dem beiliegenden Schreiben einen Leserbrief. Da ich diesen in der neusten Ausgabe der „art 11/2011“ nicht abgedruckt fand, möchte ich nachfragen, ob meine E-Mail Sie überhaupt erreicht hat bzw. ob mein Leserbrief in der „art 12/2011“ erscheinen wird.

Mit freundlichen Grüßen

Helmut G. Schütz

Da der Leserbrief auch in der Ausgabe 12/2011 der "art" nicht abgedruckt war, schrieb ich am 18.11.2011 an Herrn Sommer:

Sehr geehrter Herr Sommer,

nachdem nun auch das Dezemberheft von „art“ ohne meinen Leserbrief erschienen ist und Sie mir auch nicht geschrieben haben, weshalb Sie in meinem Falle offenbar Zensur ausüben, bin ich als langjähriger Leser und Abonnent einigermaßen frustriert. Wenn es wirklich so ist, wie es mir scheint, dass Sie Leserbriefe nur nach bestimmten Kriterien abdrucken, dann sollten Sie das bitte transparent machen und eine Ablehnung begründen. Oder könnte es wirklich sein, dass Sie von Leserbriefen derart überschüttet werden, dass das nicht zumutbar wäre?

Ich bin ratlos. Wollen Sie mich wirklich zwingen, meine Meinung auf einem anderen Forum publik zu machen? Oder mich gar aus dem Abo herausdrängen?

Sehr geehrter Herr Sommer, ich darf Sie dringend um eine Stellungnahme bitten, damit ich meine notwendigen Schlüsse und Konsequenzen nach rationaler Abwägung Ihrer Argumente ziehen kann.

Mit freundlichen Grüßen

Helmut G. Schütz

Auch dieses Schreiben ist bislang unbeantwortet geblieben. Es liegt nahe, darüber zu spekulieren, welche Gründe die Redaktion des Kunstmagazins "art" einen Leserbrief totschweigt und einen Briefschreiber ins Leere laufen lässt. Die "art" musst ein dezidiertes Interesse daran haben, dass die in meinem Leserbrief geäußerte Kritik nicht publik wird.

Mein letztes Schreiben ging am 24.11.2011 nicht mehr an die für Leserbriefe zuständige Redaktion, sondern an die Tim Sommer unterstehende Chefredaktion.

Sehr geehrter Herr Sommer,

da Ihre Redaktion bislang auf keines meiner Schreiben reagiert hat, befürchte ich, dass diese Ihnen nie persönlich zugeleitet worden sind. Deshalb unternehme ich einen definitiv allerletzten Versuch, indem ich Ihnen über die Adresse der Chefredaktion noch einmal den gesamten Vorgang zukommen lasse und bitte Sie um Ihre Stellungnahme zu dem äußerst befremdlichen Vorgang.

Mit freundlichen Grüßen

Helmut G. Schütz

Antwort von Tim Sommer vom 25.11.2011

Sehr geehrter Herr Prof. Schütz, bitte entschuldigen Sie, dass wir wir auf Ihren Leserbrief nicht reagiert haben. Aber leider ist es so, dass Sie einem Missverständnis aufgesessen sind, das, wir gestehen es, von uns verschuldet ist. Die Bildunterschrift ist nicht falsch, aber leider missverständlich: Die beiden Schülerinnen arbeiten hier nicht unter Anleitung eines “Kulturagenten” – das Programm startet ja erst – sondern sie sitzen noch ganz normal in ihrem gewöhnlichen Unterricht. Deshalb geht Ihre Argumentation natürlich in die Irre, aber das hätten wir Ihnen wahrlich schon früher mitteilen können.

Wir senden Ihnen ein Exemplar unseres art Spezial zur Italienischen Renaissance zu, als kleine Wiedergutmachung für Ihren Ärger und Ihre Mühen.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Tim Sommer

Tim Sommer

Chefredakteur

Meine Erwiderung vom 25.11.2011

Sehr geehrter Herr Sommer,

zugegebenermaßen war die Abbildung irreführend. Allerdings hatte sich meine Kritik ja nicht ausschließlich gegen jenes ausschnitthafte vermeintliche Stück Praxis gerichtet, sondern bezog sich auf das Projekt „Kulturagenten" insgesamt. Das heißt, es blieben immer noch ausreichend viele Fragezeichen, die Anlass für eine lebhafte Diskussion geboten hätten. Ich bedaure sehr, dass diese Chance durch Ihre Passivität vertan wurde. Nun bleibt nur zu hoffen, dass Sie zu gegebener Zeit noch einmal einen ausführlicheren Bericht folgen lassen, damit Interessierte sich ein Bild machen und gegebenenfalls in eine kritische Diskussion einsteigen können. So jedenfalls, nach einem vierteljährigen Verschleppen, geht es nicht mehr – da ist die Luft sozusagen raus.

Ich darf noch darauf hinweisen, dass ich meinen Leserbrief einem größeren Kreis von Künstlerinnen und Künstlern, Kolleginnen und Kollegen sowie weiteren kunstinteressierten Freunden zugänglich gemacht hatte. Viele teilen meine Verärgerung über das „Projekt“ und sehen in meinem Brief nur den Beginn einer zu führenden Grundsatzdiskussion. Ich werde dem erwähnten Verteiler Ihre Antwort zugänglich machen, denke aber, dass bei allen ein schaler Beigeschmack zurückbleiben wird.

In der Hoffnung auf eine künftige zuverlässige Berichterstattung Ihrerseits und kurze Kontaktwege zwischen Chefredaktion und Leserschaft verbleibe ich

mit freundlichen Grüßen

Helmut G. Schütz

Abschließende Antwort von Tim Sommer vom 25.11.2011

Sehr geehrter Herr Prof. Schütz, ich bin kein Freund von unerlaubtem Weiterleiten persönlicher Mails an irgendwelche Verteiler. Aber wenn Sie gegen das Projekt der Kulturstiftung argumentieren wollen – nur zu, dagegen spricht auch jetzt nichts, außer eben der Bezug auf das Bild.

Beste Grüße

Tim Sommer

Resümee: Es bleibt dabei, dass eine Grundsatzdiskussion zu führen ist. Hierzu sollten wir als materielle Grundlage allerdings mehr haben als den Kurzbeitrag in der "art 10/2011".