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2010 - 2006

Thomas Rentmeister - Leben auf dem Lande

Kunstverein Wilhelmshöhe Ettlingen. Zur Ausstellungseröffnung am 26.02.2010

Der Kunstverein Wilhelmshöhe Ettlingen, der als Freundeskreis Wilhelmshöhe im Jahre 1985 gegründet wurde, feiert in diesem Jahr das Jubiläums seines 25-jährigen Bestehens. Zugleich mit der Eröffnung der Ausstellung "Thomas Rentmeister – Leben auf dem Lande" eröffnen wir auch für Sie, für die Mitglieder des Kunstvereins und für alle unsere Freun­de und Gönner das Ausstellungsjahr. Lassen Sie mich kurz auf die Schwerpunkte hinweisen.

Es wird in diesem Jahr vier Haupt-Ausstellungen geben. Nach der Werkschau von Thomas Rentmeister haben wir kurzfristig eine Gast-Ausstellung von vier Fotokünstlern eingeschoben (Eröffnung am 25. April). Es folgt am 21. Mai eine Ausstellung mit Malerei des in Stuttgart und Paris lebenden Malers Volker Blumkowski und einer Rauminstallation des Karlsruher Bildhauers Wolfgang Rempfer. Nach der Sommerpause zeigen wir die Jubiläumsausstellung mit 25 hochkarätigen Künstlerinnen und Künstlern, die in den letzten 25 Jahren hier ausgestellt haben. Zum Jahresabschluss kommt kein Geringerer als Neo Rauch nach Ettlingen, um Studierende seiner Meisterklasse aus Leipzig zu präsentieren.

Über die Ausstellungen hinaus gibt es weitere Veranstaltungen. Im Januar haben wir bereits mit dem ersten von drei Abenden begonnen, an denen junge Film- und Videokünstler ihre Arbeiten zeigen und dem Publikum Rede und An­twort stehen. Vor der Sommerpause laden wir nicht nur die Mitglieder, sondern auch alle Freunde des Hauses zu einem Sommerfest auf die große Terrasse ein. Des Weiteren bieten wir eine Exkursion nach Langenbruck in der Schweiz an zu „sculputre at schoenthal“, wozu sich ab sofort auch Nicht-Mitglieder anmelden können. Anmeldeformulare liegen draußen aus. Außerdem gibt es einen Vortrag über Skulpturenparks und Künstlergärten in der Toskana sowie eine Jazz-Matinee mit dem Jazz-Club Ettlingen. Das Veranstaltungsprogramm des Jubiläumsjahrs haben wir draußen für Sie zum Mitnehmen ausgelegt. Wenn Sie sich das Programm näher ansehen, werden Sie mit mir übereinstimmen, dass es noch attraktiver geworden ist, Mitglied dieses sympathischen Kunstvereins zu werden.

Nach diesen Vorbemerkungen ist es allerhöchste Zeit, dass wir zur Hauptperson dieses Abends kommen: Prof. Thomas Rentmeister, der an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig lehrt und in Berlin lebt. Er hat hier innerhalb von 48 Stunden „Leben auf dem Lande“ inszeniert, wie sich das wohl kaum jemand in den kühnsten Träumen hätte vorstellen können. Es sind skulpturale Werke, die präzise definierte Objekte mit vorgefundenem Material sowie plastisch verarbeitete Hygieneartikel und Lebensmittel kombinieren. Sie schaffen einen multisensuellen Erlebnis- und Wahrnehmungsraum, der die Einzelobjekte transzendiert. Indem Sie sich durch die Ausstellung bewegen, können Sie die Werke mit den Augen, mit dem Bewegungssinn und dem Geruchssinn wahrnehmen. Die taktilen und die geschmacklichen Qualitäten der Exponate bleiben einer virtuellen Realisierung vorbehalten. Oder in einfachem Deutsch: Bitte die Werke nicht berühren und nicht essen! Bei der aktuellen Ausstellung muss man eigens darauf hinweisen, denn die Werke besitzen zugegebenermaßen einen sehr stark ausgeprägten Aufforderungscharakter.

Vielleicht haben Sie sich auch schon die Frage gestellt: Ist das eigentlich eine leicht oder eine eher schwer zugängliche Ausstellung? Nun, wir treffen auf Bekanntes, denn sowohl die Objekte als auch die Materialien sind uns vertraut, allerdings aus anderen, nicht-künstlerischen Zusammenhängen. Das Prinzip der Verfremdung kennen wir in der Kunst schon seit einem Jahrhundert, so dass wir dies eigentlich nicht als Barriere empfinden dürften. Allerdings sind es neue und befremdliche Zusammenhänge, mit denen wir hier konfrontiert werden. Damit eröffnen sich aber positive Möglichkeiten für uns, die Betrachter. Wir können eigene Perzepte bilden – wir können uns je eigene Zugänge entwickeln. Dabei ist es auch sinnvoll, wenn Sie sich mit anderen Besuchern austauschen.