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2010 - 2006

Mitgliederversammlung des Kunstvereins Wilhelmshöhe Ettlingen e. V.

Rede nach der Vorstandswahl am 16.11.2008

Wenn ich TOP 10 „Ausblick 2009“ ein wenig Gewalt antue, indem ich deutlich darüber hinausgehe, bitte ich um Ihre freundliche Nachsicht, denn eine Epoche ist eben zu Ende gegangen. 6 Jahre war Brigitte Ruland-Mollien Vorsitzende des Kunstvereins Wilhelmshöhe – außer ihr hat das nur Hubertus Keil geschafft.

Brigitte Mollien hat in diesem halben Dutzend Jahre den Kunstverein deutlich vorangebracht. Dabei gab es ambitionierte Ausstellungen seit Gründung des Vereins bzw. des Freundeskreises. Aber ihre Begeisterungsfähigkeit und Spontaneität hat es uns oft leicht gemacht, uns auch auf experimentelle Projekte einzulassen, von deren Realisierung wir im Nachhinein verblüfft waren.

Brigitte Molliens Talent zum Organisieren und Delegieren war immer nützlich, um Unmögliches zu ermöglichen. Schließlich war es ihre geradezu artistische Fähigkeit, mit Zahlenpaketen zu jonglieren, die es mit sich brachte, dass sie bald auch weite Teile des Finanzmanagements nebenbei und sozusagen mit der linken Hand abdeckte. Durch Einwerben von Sponsoren hat sie auch die finanzielle Basis für größere Ausstellungsprojekte geschaffen.

Keine Frage: Brigitte Mollien hat sich um den Kunstverein Wilhelmshöhe verdient gemacht, und wir haben allen Grund, ihr dafür zu danken. Doch es ist nicht jedem gegeben, mit bescheidenen rhetorischen Mitteln einen passenden Strauß zu binden, der auch einen künstlerischen Anspruch erheben könnte. Deshalb greifen wir gerne auf Naturprodukte zurück und hoffen, dass das Gebinde Dir so viel Freunde bereitet, dass Du Dich auch weiterhin aus dem Beirat heraus gerne um das Sponsoring kümmerst.

Als Brigitte Mollien uns vor einigen Wochen mitteilte, dass sie nicht mehr als Vorsitzende kandidieren wolle, dachten wir zunächst: Nun kommt die große Krise. Doch bald wurde uns klar, dass es nicht darauf ankäme, sozusagen einen Nachfolger ihres Formats zu suchen, sondern die Funktionen und Kompetenzen der Vorstandsmitglieder neu zu definieren – oder uns einfach wieder eng an der Satzung zu orientieren.

Nun sind wir gewählt worden ohne eingehende Befragung – vielleicht weil man einfach froh ist, dass einige den Job machen. Aber wir sind auch geneigt und möchten uns gerne schmeicheln, das als einen Vertrauensvorschuss zu verstehen, der uns wiederum zu guter Arbeit anspornt.

Die Risiken, die Sie gewagt haben, sind überschaubar. Denn der neue Vorstand ist zu großen Teilen der alte. Werner Pokorny und Ralf Diemb arbeiten schon seit vielen Jahren im Vorstand und bürgen für Kontinuität. Diana Vey ist seit 5 Jahren mit der Innenansicht des Kunstvereins vertraut, sie kann mit Zahlen umgehen, und als Buchhalterin ist sie Profi. Somit war sie für uns als Schatzmeisterin allererste Wahl. Dass sie mit ihrer Zusage lange gezögert hat, war für uns ein deutliches Indiz dafür, dass sie die Sache ernst nimmt. Bei ihr hätte ein Vorsitzender keine Chance, der im Handstreich einmal schnell über den Haushalt verfügen wollte.

Für den Vorsitz hat man schließlich jemanden ausgeguckt, von dem man vermutet, dass er als Emeritus doch gewisse Kapazitäten frei haben müsste. Das wäre für mich natürlich kein hinreichender Grund gewesen, mich weich klopfen zu lassen. Wichtiger war für mich, dass ich für diesen nicht gerade landläufigen Verein seit langem starke Sympathien hege, weil er kein Kunstverein ist wie jeder andere. Und das hängt mit der Gründung des damaligen Freundeskreises und den spezifischen Gegebenheit hier im Hause zusammen. Die Tatsache, dass es eine Ateliergemeinschaft gibt, dass hier nicht nur ausgeflippte Dinge ausgestellt werden, sondern dass man hier dauernd Leuten begegnet, die täglich ernsthaft arbeiten und Kunst machen, das vor allem hat mein Interesse geweckt. Ich bin überzeugt, dass es in Deutschland Hunderte von Kunstvereinen gibt – auch solche, die finanziell deutlich besser dastehen als wir – die uns um diese Nähe zur künstlerischen Produktion beneiden. Und das zu Recht, davon bin ich überzeugt.

In der Kombination von Kunstverein und Ateliergemeinschaft, die vielleicht auch wieder zu einer Symbiose werden könnte, liegt das größte Potenzial der Wilhelmshöhe, auf das wir uns wieder besinnen sollten. Wahrscheinlich wollte Wolfgang Hartmann deshalb keinen Kunstverein, weil er die Gefahr eines Auseinanderdriftens hellsichtig erkannte. Aus heutiger Sicht meine ich allerdings, dass es nun darauf ankäme, die gemeinsamen Interessen zu erkennen und neue Synergien zu schmieden.

Mit anderen Worten: Es geht nicht um ein Entweder Oder, sondern um ein Sowohl als auch. Was den Kunstverein betrifft, so muss dieser stärker werden, indem wir neue Mitglieder gewinnen. Bisherige Kampagnen haben lediglich den Bestand stabilisiert. Wenn jedes Mitglied, das regelmäßig zur Wilhelmshöhe heraufkommt, ernsthaft versuchen möchte, alle ein bis zwei Jahre ein neues Mitglied zu werben, könnten wir bald einen deutlichen Aufschwung erreichen.

In der Zeit einer heraufziehenden Rezession müssen damit rechnen, dass diese auch uns treffen könnte. Denn es ist allzu populär, in der Kultur einen Luxus zu sehen und infolgedessen bei ihr mit dem Sparen zu beginnen. Deshalb müssen wir Überzeugungsarbeit leisten und die Verantwortlichen von unserem Credo überzeugen – nämlich, dass die Kultur im Allgemeinen und Kunst im Besonderen ein Lebensmittel ist, mit dessen Stellenwert eine Gesellschaft entweder aufblüht oder dahinwelkt.

Wenn wir in den nächsten Jahren als Kunstverein erfolgreich bestehen wollen, müssen wir aber auch weiterhin die Frage der Qualität in den Mittelpunkt unserer Ausstellungsarbeit stellen. Qualitativ hochrangige Ausstellungen sind der einzige Gegenwert, den wir den Sponsoren, der Kommune, unseren Mitgliedern und letztlich auch den Bürgern bieten können für ihr finanzielles Engagement.