Archiv                                                                                                               

Die Kunstwerkstatt als integratives Lernangebot im Rahmen der Ganztageshauptschule

Helmut G. Schütz und Holger Erbach, PH-Karlsruhe

Im Rahmen seiner Dissertation führte Herr Holger Erbach im Jahre 2006 eine empirische Untersuchung durch, die innerhalb des Kunstpädagogischen Doktorandenkolloquiums an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe von mir als Projektleiter betreut wurde. Das Projekt wurde gefördert durch den Forschungsverbund Hauptschule der Pädagogischen Hochschulen in Baden-Württemberg: http://www.forschungsverbund-hauptschule.de/

Die Werkstatt als Lernort – unter diesem Arbeitstitel wird versucht, in den verschiedenen sich bietenden Lebens- und Arbeitsbereichen das Phänomen des Werkstattlernens vor allem mit künstlerischem Schwerpunkt wissenschaftlich zu untersuchen. Unter der Prämisse, dass Kunstunterricht seine didaktischen Begründungen und Ziele aus der Struktur des künstlerischen Prozesses ableitet, soll erforscht werden, in welchem Maß der Lernort Einfluss nimmt auf den Arbeits- und Lernprozess und inwieweit eine Werkstattstruktur diese Prozesse begünstigt oder gar erst ermöglicht. Für die Hauptschule mit ihrem hohen Stellenwert von handlungsbezogenen Lernformen stellt dies eine zentrale Fragestellung dar.

Erste Untersuchungen galten dem Block Beuys im Hessischen Landesmuseum Darmstadt, der Großen Tischruine, Holderbank und der Gartenskulptur von Dieter Roth. Bei werkstattorientierten Praxisveranstaltungen in der Schule – sowohl im regulären Unterricht als auch im Ganztagesangebot – und der Hochschule konnten erste Versuche mit dieser Lernorganisation gemacht werden. Letztendlich soll die Forschungsarbeit Ergebnisse aus den Bereichen der Kunst sowie der Kunstvermittlung in Schule und Hochschule unter Berücksichtigung biografischer Aspekte zusammenführen.
Die Erfahrung, dass die Werkstatt als Lernort den Lernprozess derart prägt, dass selbstbestimmtes Lernen, das eigenständige Aufdecken neuer Forschungsfelder und die intensive Auseinandersetzung in der Lerngruppe zu einer erweiterten Persönlichkeitsbildung beitragen, führt zur These, dass Werkstattarbeit die dem künstlerischen Lernfeld angemessene Vorgehensweise sei. So wie sich durch die am zeitgenössischen Kunstwerk und Kunstprozess orientierte Fachdidaktik eine geschlossene, lineare und rein präsentierende Vermittlungskonzeption verbietet, empfiehlt sich eine Raum- und Arbeitsstruktur wie unter dem Begriff Werkstatt vorstellbar.

Der Aufarbeitung dieser These und den pädagogischen sowie didaktischen Konsequenzen – nicht zuletzt auch der Frage des Stellenwerts der künstlerischen Bildung in den Schulen – gilt unser Forschungsinteresse. Weitere Fragekomplexe sind die immanent didaktische Struktur der Werkstatt als Ort der Erfahrung sowie die Rolle der Intuition bei Werkstattarbeit.

Weiter Informationen unter: http://www.oberwaldschule.de/index.htm