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300 Ausgaben von »Kunst + Unterricht«

Aus Anlass des Erscheinens der 300. Ausgabe von "Kunst + Unterricht" hatten die Herausgeber die Leserinnen, Leser und Mitstreiter um Stellungnahmen gebeten. Erwünscht waren nicht nur Grußadressen, sondern auch Kritik. Von meinem 363 Wörter umfassenden Text wurde - aus einer eher moderaten Passage - ein Satzfragment im Umfang von 5 Wörtern abgedruckt. Der quantitative Vergleich besagt natürlich gar nichts. Ob das Kurzzitat in der Lage ist, den Gesamttenor zu treffen, kann nun jeder Interessierte selber überprüfen (Vgl.: J. Kirschenmann: "Kunst und Unterricht gehört zum Kunstunterricht dazu". In: K+U Heft 300; 2006, S. 41 ff.).

Mit Erscheinen von Kunst + Unterricht 1968 begann auch für die Kunstpädagogik eine neue Epoche, die durch ein kollegiales Herausgeberteam geprägt wurde: Dietrich Helms, Diethart Kerbs, Siegfried Neuenhausen und Gunter Otto (und nicht etwa letzterer alleine!), und die Zeitschrift wurde von uns – von meiner Generation – euphorisch begrüßt. Es gab hier die Suche nach neuen Wegen, kontroverse Diskussionen um Inhalte und Methoden, aber auch um Begründungszusammenhänge und Legitimationen. Die Zeitschrift K+U der ersten Jahre hat nicht nur unter Kunstlehrerinnen und Kunstlehrern ein waches Problembewusstsein geschaffen; letztlich verdankte sich auch die Modernisierung und Umfirmierung der Bildnerischen Erziehung zur Zeitschrift für Kunstpädagogik jenem neuen Geist. – Nach knapp vier Jahrzehnten müssen wir uns fragen, was von alledem geblieben ist. K+U hat nicht nur die Z.f.K., sondern auch die ostdeutsche Kunsterziehung geschluckt, ohne dass sie jemals zu dem geworden wäre, was der Untertitel ursprünglich versprochen hatte, nämlich eine Zeitschrift für alle Bereiche der ästhetischen Erziehung. Die Kunstpädagogik hatte 1968 nicht zuletzt unter dem Einfluss von K+U begonnen, sich als universitäre Disziplin zu einer Theorie der Kunstvermittlung zu erweitern, die auch von Museumspädagogen als Informationsquelle und Diskussionsorgan gerne genutzt wurde. Doch mittlerweile scheint es, als hätte die Zeitschrift in ihrer marktbeherrschenden Position sich etabliert mit allen positiven, vor allem aber auch mit allen negativen Begleiterscheinungen. Jedes Heft hat einen inhaltlichen Schwerpunkt mit Basisartikel, Materialteil, Unterrichtsbeispielen etc., und es gibt einen aktuellen und sehr informativen Magazinteil. Das Layout ist übersichtlich und ansprechend wie bei einer Illustrierten, die man gern durchblättert und dann beiseite legt, ohne etwas gelesen zu haben. Jene Übersichtlichkeit und die quantitativ festgelegten Formate haben auch eine inhaltliche Erstarrung nach sich gezogen. Was den formalen Rahmen sprengt, wird abgewiesen und an die Konkurrenz weiter empfohlen. Die großen Kontroversen, die auf eine flexible Redaktion angewiesen wären, hatte man schon in der späten Otto’schen Ära abgeschafft. K+U ist heute für das Gros der Abonnenten, für die Kunstpädagoginnen und Kunstpädagogen an den Schulen, eine anregende und vermutlich auch hilfreiche Informationsquelle. Aber ihre Rolle als Organ und Motor der Innovation scheint die Zeitschrift weitgehend abgelegt zu haben. – Zum Jubiläum wünsche ich dem Herausgeberteam, dass es nicht nur so (erfolgreich) weitermacht wie bisher, sondern sich auch wieder einmal der alten (achtundsechziger) Tugenden vergewissert.