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Kunst und Analyse der Betrachtung

Entwicklung und Gegenwart der Kunstrezeption zwischen Original und Medien

Die Voraussetzungen für die unterrichtliche Betrachtung von Kunstwerken waren noch nie so günstig wie heute. Nicht nur in den Großstädten gibt es Kunstsammlungen, auch Kleinstädte richten Museen ein, und Galerien tragen die Kunst bis in den ländlichen Raum. Wir waren noch nie so mobil wie heute, so dass eine Verlegung des Unterrichts ins Ausstellungsgebäude nur einen geringen Aufwand erfordert. Wir hatten noch nie ein vergleichbares Angebot an Bildmedien. Und schließlich wird in den Lehrplänen für das Fach Kunst in allen Bundesländern die Kunstbetrachtung den Lehrkräften wohlwollend empfohlen.

Dennoch befindet sich die Kunstbetrachtung derzeit in einem desolaten Zustand. Während die Zeichenlehrer um die Jahrhundertwende um die Einführung der Kunstbetrachtung – auch vor Originalen – kämpften, ging der Elan allzu bald verloren. So ist eine Initiative notwendig, um die Genese darzustellen, die Ursachen für die unerfreuliche Entwicklung zu analysieren und positive Ansätze anzubieten. Es ist auch zu fragen, ob nicht von der sehr vitalen Museumspädagogik ein Funke auf den schulischen Bereich überspringen könnte. Diese junge Disziplin, die der Kunstpädagogik seit der Jahrhundertwende wesentliches verdankt, sollte einer reformmüde gewordenen Schule frische Impulse vermitteln. Deshalb wird ein neuer Dialog zwischen Museum und Schule angestoßen.

Das Buch wendet sich an Kunsterzieher und Museumspädagogen, des weiteren an Leiter und Mitarbeiter von Museen, Museologen, Ausstellungsmacher, Kunstvermittler, Kulturpädagogen, Reiseleiter und Bildungspolitiker sowie an bildungspolitisch interessierte Laien.

Inhalt

Teil 1: Kunstbetrachtung gestern

Disparate Anfänge der Bildbetrachtung

Impulse der Kunsterziehungsbewegung

Die soziale Motivation der Mannheimer Bewegung

Untergang der Kunstbetrachtung im Kanonendonner

Nachhall des Anschauungsunterrichts

Morgenröte und Sachlichkeit

Der Einzug der Diaprojektion in den Kunstunterricht

Vom formalen Idealismus zum spirituellen Fundamentalismus

Reaktion und musischer Expressionismus

Das Verschwinden der Kunstbetrachtung im Dritten Reich

Teil 2: Kunstbetrachtung heute

Ratloser Neubeginn unter musischen Vorzeichen

Erlebnis und Begegnung

Analyse und Methode der Gegenwartskunst

Struktur, Prozess und Kontext

Ideologiekritik und gesellschaftliche Legitimation

Ästhetisch geglättete Wogen

Ideologisch prädisponierte Kunstgeschichte

Initiative zu einer kunstgemäßen Bildbetrachtung

Neumusische Reaktion

Gebremste Wiederentdeckung des Kunstwerks (Klafki unerhört; Impulse zwischen Museum und Schule; Chancen und Risiken einer Betrachtungskunst; Kritischer Fundamentalismus und neuer Subjektivismus; Deskription, Sekundärimpulse und Praxis; Nützliche Bücher für den Unterricht)

Ein Jahrhundert Kunstbetrachtung

Teil 3: Ein Blick auf die Museumspädagogik

Große Umfrage (Der Fragebogen; Kontext der Befragung; Fragen und zusammengefasste Antworten)

Ergänzende Nachfrage (Der Fragebogen; Kontext der Befragung; Fragen und zusammengefasste Antworten)

Kunstunterricht und Museumspädagogik im Vergleich

Teil 4: Erfahrungen und Perspektiven

Bewährtes im Blick behalten (Betrachtung und Gespräch; Arbeitsunterricht; Pädagogische Inszenierung; Synästhetische Expansion; Die Führung; Die architektonische Inszenierung)

Neue Zugänge suchen (Zukunft der digitalen Medien; Ambiente und Weg; Bild, Rahmen und Raum; Blick in die Werkstatt des Künstlers; Der Betrachter im Werk)

Von der Summe zur Synthese – und zurück
Museumspädagogik in der Lehrerbildung

302 Seiten. Kt.; 100 Abb., davon 22 in Farbe. 2002

Schneider Verlag Hohengehren GmbH Baltmannsweiler

www.paedagogik.de

ISBN 3-89676-582-5

€ 29,80 (Bezug über den Buchhandel)